Körper & Gesundheit

Warum brennt die Chilischote?

Rote und grüne Chilischoten in einer umgedrehten Schüssel auf dem Tisch

Chili ist weltweit eines der am häufigsten in der Küche verwendeten Gewürze! Bild: Nitr – stock.adobe.com

Du hast in eine Chilischote gebissen – und eine Kettenreaktion folgt: Deine Zunge beginnt zu brennen, deine Nase läuft und deine Stirn ist schweissüberströmt. Seltsam ... denn wenn du einen Apfel oder eine Banane isst, reagiert dein Körper nicht so, obwohl das Früchte wie die Chilischote sind! Woher kommt diese Reaktion?

„Warum brennt Chili so?“ Diese Frage hast du dir bestimmt schon einmal gestellt, wenn du versehentlich in eine der kleinen, meist roten Schoten hineingebissen hast. Diese zugegebenermassen unangenehme Antwort des Körpers ist das Ergebnis einer erstaunlichen chemischen Reaktion, die nur in der Familie der Chilischoten vorkommt.

Ich habe auf eine Chili gebissen – und nun?

Es beginnt mit einem brennenden Gefühl um deine Lippen und auf deiner Zunge. Die Schleimhäute, die dazu da sind, die Lunge vor eindringenden Partikeln zu schützen, werden aktiviert und bringen deine Nase zum Laufen. Ausserdem reizen die Stoffe in der Chilischote deine Atemwege, was zu Husten oder Schluckauf führt. Dein Körper versucht, die „gefährlichen“ Eindringlinge loszuwerden! Parallel dazu erweitern sich deine Blutgefässe, zusätzliches Blut fliesst durch sie hindurch. Deine Körpertemperatur steigt und als Reaktion darauf produzierst du Schweiss, um dich abzukühlen. Der ganze Körper reagiert also, wenn du Chili isst!

Der Schuldige: Capsaicin

Das heisse Gefühl, das dich beim Biss in eine Chilischote überkommt, wird durch ein bestimmtes Molekül verursacht, das hauptsächlich in den Samen dieser Frucht vorkommt: Capsaicin. Im Mund und insbesondere auf der Zunge sitzen zahlreiche Rezeptoren, die verschiedene Signale an das Gehirn senden. Der Kontakt dieser Sinneszellen mit Nahrung führt zu Geschmacksempfindungen wie süss, salzig oder bitter. Unter diesen Rezeptoren gibt es auch solche für Hitze und Kälte.

Im Fall von Chili und Capsaicin sind die TRPV1-Rezeptoren von entscheidender Bedeutung. Sie dienen nämlich der Thermorezeption, das heisst, sie registrieren Wärme und Hitze. Gut zu wissen: Diese Wärmerezeptoren sind am ganzen Körper vorhanden, nicht nur im Mund. Es hat nicht überall gleich viele und sie liegen unterschiedlich tief in der Haut, aber an die Rezeptorzellen in Schleimhäuten kommt das Capsaicin besonders gut heran. Achte also darauf, dass du deine Augen nicht reibst, wenn du die Samen einer Chilischote in der Hand hattest!

Wenn du in eine Chilischote beisst, wird Capsaicin freigesetzt und aktiviert die TRPV1-Rezeptoren. Dadurch entsteht ein Gefühl, wie wenn du mit etwas Heissem in Berührung gekommen wärst, z. B. mit kochendem Wasser. Deine Augen beginnen zu brennen und dein Mund wird heiss. Dieses Gefühl ist jedoch nur eine „Illusion“: Die Chilischote glüht ja nicht – du kannst sie in die Hand nehmen, ohne dich zu verbrennen.

Die Scoville-Skala: von Peperoni bis „explosiv“!

Kisten mit verschiedenen Chilisorten vor einer illustrierten Tafel, die den Schärfegrad erklärt.

Ein Stand mit Chilischoten und einem Schild, das die Scoville-Skala erklärt, auf einem Markt in Houston, Texas. Bild: WhisperToMe / Wikimedia Commons, illustrierte Tafel von Lisa Stewart

Nicht alle Chilis sind gleich! Einige Chilis sind wirklich schärfer als andere. Eine Schärfeskala wurde 1912 von dem Pharmakologen Wilbur Lincoln Scoville entwickelt, und deshalb wird die Schärfe von Chilis in Scoville-Grad gemessen (abgekürzt SHU für englisch: Scoville Heat Units). Auf Stufe 0 dieser Skala wurde die Peperoni gesetzt, die nicht als scharf empfunden wird.

Das ursprüngliche Verfahren zur Bestimmung der Skala basiert auf dem Schärfeempfinden von fünf Versuchspersonen. Scoville verdünnte Chilipüree mit einer Wasser-Zucker-Lösung und liess es von professionellen Testern probieren. Es wurde so lange weiter verdünnt, bis die Schärfe von den Testern nicht mehr wahrgenommen wurde. Der Schärfegrad, gemessen in Scoville-Einheiten, entspricht also der Anzahl Verdünnungen, bis das „Feuer“ der Chililösung nicht mehr wahrnehmbar ist. Damit hängt die Scoville-Skala stark von der Kompetenz der professionellen Tester ab! (Heutzutage lässt sich der Gehalt an Capsaicin-Verbindungen in einer Probe auch im Labor mit Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) bestimmen, doch gibt es keine exakte Umrechnung in einen „Schärfegrad“.)

Je höher der Anteil an Capsaicin – oder anderen Capsaicinoiden mit ähnlicher Wirkung – in einer Chilischote ist, desto schärfer ist sie und desto höher wird sie auf der Scoville-Skala eingestuft. Die Sorte Pepper X hält den Rekord für die schärfste Chilischote der Welt und löste 2017 die Carolina Reaper ab (beide liegen je nach Messung in einem Bereich von 1–3 Mio. SHU). Sie wird als „explosiv“ eingestuft!

Wasser trinken – eine falsche gute Idee!

Chemische Struktur von Capsaicin

Capsaicin ist, chemisch gesehen, eine Fettsäure-Verbindung und damit ein unpolares Molekül. Es löst sich also gut in Fett (es ist lipophil), aber nicht in wässrigen Flüssigkeiten. Bild: Wikimedia Commons

Ja, du hast richtig gelesen! Trotz des brennenden Gefühls, das durch Capsaicin verursacht wird, solltest du auf keinen Fall Wasser trinken, um dir Linderung zu verschaffen. Capsaicin ist nämlich nicht wasserlöslich. Es ist ein unpolares Molekül und löst sich nur in einer unpolaren Flüssigkeit. Wasser jedoch ist polar! Auch Öltröpfchen lassen sich mit Wasser kaum abwaschen. Ganz ähnlich wirst du das Capsaicin, wenn du gegen das Brennen Wasser trinkst, in deinem Mund und Rachen verteilen und die Situation noch verschlimmern. Stattdessen brauchst du etwas Fetthaltiges wie Öl, Milch oder Käse, um das Capsaicin richtig aufzulösen und von den Schmerzrezeptoren zu entfernen.

Wenn du also das nächste Mal Chili isst, hältst du daneben am besten eine schöne Käseplatte bereit!

Text: Redaktion SimplyScience.ch

Quellen:
(1) Laure Pias. Cuisine : pourquoi le piment pique, et comment faire pour soulager son palais ? actu.fr, 7.8.2022.
(2) Nathalie Mayer. Pourquoi le piment brûle-t-il la bouche ? Futura, 28.6.2019
(3) Jean-Luc Nothias. Pourquoi le piment nous brûle-t-il la bouche ? Le Figaro, 4.6.2008
(4) Bodily functions explained: spicy food reaction. Pfizer.com, 2024
(5) Roberto Silvestro. Ça brûle et j’aime ça : la science du piquant. The Conversation, 11.11.2022
(6) How to measure the “heat” of a pepper? National institute of standards and technology, 23.6.2022
(7) Khyati Dand. Why water sucks at cooling spicy sensations. Food republic, 10.8.2023
(8) Capsaïcine. 2024. In Wikipédia.
(9) Echelle de Scoville. 2024. In Wikipédia.

Erstellt: 26.07.2024
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