Trams machen viel Lärm. Auch in der Nacht. In Zürich bringen die blau-weissen Riesen bis um 01:00 Uhr nachts die Hauswände zum Zittern. Deshalb haben Maschinen- und Verkehrsingenieure das Cobra-Tram entwickelt. Es ist extra leise und rüttelt weniger.
Die 30-40 Jahre alten Zürcher Mirage- und 2000-Trams werden bald in den Ruhestand gehen. Bis 2010 werden sie durch die neuen Cobras abgelöst. Bereits heute fahren schon mehrere Cobras durch die Zürcher Strassen. Sie wurden vom kanadischen Transportfahrzeug-Hersteller Bombardier hergestellt und sind auf dem aktuellsten Stand der Tram-Technik.
Von der Entwicklung bis zum Betrieb
Vor 15 Jahren hat man mit der Entwicklung des Cobra-Trams begonnen. Der Auftrag war, ein Tram zu entwickeln, das den Anforderungen einer Stadt wie Zürich gewachsen ist. Zu den Anforderungen gehören: Starke Steigungen, enge Kurven und eine grosse Zahl an Fahrgästen (eine halbe Million pro Tag!).
Das Cobra-Tram wurde von Maschineningenieuren auf dem Computer entworfen. Dafür verwenden sie ein so genanntes CAD-Programm (Computer Aided Design, auf deutsch: Computerunterstützte Konstruktion). Mit dem Programm konstruieren sie technische Anlagen und können diese dann auf dem Computer simulieren. Eine Computer-Simulation sagt den Maschineningenieuren, wie sich die Anlage in etwa verhalten wird, wenn sie in Betrieb ist.
Verkehrsingenieure sind dafür verantwortlich, dass sich das Tram dann auch optimal in den Verkehr, also in den Personenverkehr, eingliedert. Er weiss, was die Stadt von einem Tram verlangt und wo die Tramleitungen gezogen werden sollen. Auch die Sicherheit der Passagiere und der anderen Verkehrsteilnehmer gehört in seinen Verantwortungsbereich.
Was ist neu und besonders an den Cobra-Trams?
Kein Quiiiiiietschen mehr
Das schrille Quietschen bei den alten Trams in Kurven gibt es bei den Cobras nicht mehr. Der Grund für das Quietschen liegt an der alten Fahrwerks-Technik: Die Mirages haben starre Rad-Achsen. Die beiden Gleis-Schienen haben in einer Kurve aber unterschiedlich starke Biegungen. Wenn nun das Tram in eine Kurve fährt, werden die Räder in der inneren Schiene leicht an den Schienenrand gedrückt - es quietscht!
Cobras haben eine neue Fahrwerks-Technik: Die Räder sind nicht mehr starr, denn sie haben keine Achse mehr. Sie werden alle einzeln angetrieben und einzeln gesteuert, so dass sie sich unabhängig voneinander den Schienen anpassen können. Räder und Gleise werden somit auch weniger schnell abgenutzt.
Kein Treppensteigen mehr
Im Gegensatz zu den alten Zürcher Hochflurtrams sind die Cobras Niederflurtrams. Das heisst, ihr Boden ist etwa gleich hoch wie das Trottoir bei der Haltestelle. Für ältere Menschen, Eltern mit Kinderwagen oder Menschen im Rollstuhl ist das eine grosse Erleichterung beim Einsteigen.
Weil der Abstand zwischen Strasse und Tram-Boden nur noch 30 cm beträgt, mussten die Ingenieure die Motoren und Räder in den Fahrgastraum hineinbauen. Sie befinden sich unter den Sitzen hinter einer Metallabdeckung.
Cobras bestehen aus Aluminium und sind deshalb leichter als ihre Vorgänger, die aus schwerem Stahl bestehen. Je leichter, desto weniger Strom brauchen die Trams für den Antrieb. Die Cobras sind also nicht nur leise, sondern auch umweltfreundlich, und passen deshalb bestens in eine zukunftsgerichtete Stadt wie Zürich.
Quelle: SimplyScience Redaktion